Dachse - mitten unter uns

Foto Bärbel Franzke
Foto Bärbel Franzke

Dachse gehören zu den Mardern und sind nachtaktiv. Obwohl es gar nicht wenige von ihnen gibt, haben daher viele Menschen noch nie einen Dachs freier Wildbahn gesehen. Dachse sind als einzige der Marderartigen Allesfresser und fressen neben ihrer Hauptnahrung Regenwürmer vor allem Wühlmäuse, Insekten und je nach Jahreszeit unterschiedliche Pflanzen wie Eicheln, Beeren, Wurzeln oder Mais - zeitweise steigt der pflanzliche Anteil der Nahrung auf bis zu 75%.

 

In einer Nacht können Dachse zwischen vier und sechs Kilometer zurücklegen und entfernen sich dabei bis max. 1,5 km von ihrem Bau.

 

Foto Bärbel Franzke
Foto Bärbel Franzke

 

Dachse haben kräftige Vorderpfoten mit langen Krallen, mit denen sie außergewöhnlich gut graben können. Das sieht man neben ihren Bauen an zahlreichen Löchern in ihrem Revier, in denen sie nach Nahrung graben oder Kuhlen für ihre Losung ausheben.

 

Die Baue können sehr groß werden, mit 30-50m Umkreis, 10-20 Ausgängen und mehrere hundert Meter Höhlengänge. Es gibt mehrere Wurfkessel, die können nur einige Zentimeter aber auch bis zu 5 Meter unter der Oberfläche liegen. Vorhandene Höhlen werden mit der Zeit um weitere Eingänge und Kammern erweitert. In England wurde ein Bau untersucht, der über 178 Ausgänge etwa 50 Wurfkessel und 879 m Tunnel aufwies!

Uralte Bauwerke

Dachsbaue können sehr alt werden. Wie alt genau? Nun es gibt mittelalterliche Schriften, die Dachsbaue genau an den Stellen beschreiben wo sie heute noch zu finden sind. Was spricht dagegen, dass diese "Dachsburgen" noch viel älter sind und aus Zeiten stammen in denen es noch keine schriftlichen Aufzeicnungen gab? Wer weiß, vielleicht gehören einige Dachsburgen zu den ältesten Bauwerken der Erde?

 

Dachse benutzen gerne immer die gleichen Wege. Je nach Boden sind diese dann schön planiert und plattgetreten, der Untergrund ist dann verdichtet und deutlich härter als der übrige Boden. Bei nährstoffarmen Boden können Dachswege dadurch auffallen, dass sie von Brennnesseln oder Holunder gesäumt sind, Pflanzen die nährstoffreichen Boden brauchen und von den Dachstoiletten profitieren.

 

Besuchszeit bei Dachsen

Dachse haben zwar Reviere, die sie auch markieren und in denen sie sich auf immer gleichen Dachspfaden fortbewegen, jedoch verteidigen sie die Reviergrenzen im Gegensatz zu anderen Raubtieren nicht gegen Artgenossen. Nur zur Ranzzeit kann es zwischen den Männchen zu teils heftigen Revierkämpfen kommen. Es wird sogar berichtet dass Dachse sich gegenseitig  in den Nachbarfamilien besuchen, sich dort auch paaren und zum Teil übernachten! Meist gibt es in diesen Fällen verwandtschaftliche Bindungen.

 

Alles duftet

Für Dachse ist der Geruchsinn wahrscheinlich noch vor dem Gehör der wichtigste Sinn. So suchen sie ihre Nahrung, nehmen Bedrohungen wahr und finden auch heraus, wer zur eigenen Familie gehört. Unter dem Schwanzansatz liegt eine Duftdrüse, jeder Dachs hat einen individuellen Geruch. In der Familie "stempeln" sich die Familienmitglieder regelmäßig gegenseitig, so dass ein Familiengeruch entsteht. Auch Reviergrenzen, markante Wegkreuzungen und Kratzbäume werden mit dieser Duftdrüse markiert.

 

Winter bei den Dachsen

Im Winter halten Dachse Winterruhe, dass heißt die Kreislauffunktionen werden nicht ganz heruntergefahren, sie leben vorwiegend von ihren Fettreserven.  Sie sind jedoch auch in dieser Zeit aufmerksam und machen auch gelegentliche Ausflüge, um Nahrung zu suchen. Vor allem wenn Schnee liegt, ist es dann nicht schwer, Dachsfährten zu finden und anhand der deutlichen Krallenabdrücke zu identifizieren. Benachbarte Dachsfamilien verbringen teils den Winter gemeinsam in einem Bau, vielleicht um sich so besser wärmen zu können. An kalten Tagen kann man dann je nach Bau Wasserdampf aus den Belüftungsschächten aufsteigen sehen.

 

Bejagung von Dachsen

Wieso werden Dachse eigentlich gejagt? In früheren Zeiten wurde Dachsschinken verzehrt, aus dem Schmalz wurde Dachsfett gewonnen, das vielfältig, auch als Heilmittel, verwendet wurde. Diese Verwendung des Dachskörpers spielt heute nahezu keine Rolle mehr, auch wenn es nach wie vor Dachsfett zu kaufen gibt.

 

Dachs- und Fuchsjagd werden häufig auch mit gefährdeten Beständen des Niederwilds (z.B. Fasane, Rebhühner) begründet. Inzwischen räumen selbst einige Jäger in Veröffentlichungen ein, dass die Wirkung von Dachsen auf die Population des Niederwilds als äußerst gering einzustufen ist.

 

So bleibt als vermeintlich vernünftiger Grund für eine Bejagung im Sinne des Tierschutz-gesetzes übrig, das Dachse Schäden auf den Feldern verursachen, in dem sie ihren Speiseplan etwa mit Maiskolben aufpeppen. Das ist einerseits richtig, andererseits sind Dachse effektive Mäusejäger, was den Landwirten auch wieder zu gute kommt. Während Füchse, Turmfalken oder Mäusebussarde vor allem einzelne Mäuse erbeuten, wurden in Mägen von Dachsen nicht selten über 60, in einem Fall über 90 Mäuse gefunden. Das waren fast ausnahmslos Jungmäuse. Dachse sind zu schwerfällig, um effektiv erwachsene schnelle Mäuse zu erwischen. Sie haben aber einen hervorragenden Geruchssinn und können gut graben, finden also in der Erde die Mäusenester und räumen sie aus. Wenn man bedenkt dass viele Mäusearten schon nach 30-40 Tagen geschlechtsreif sind, lässt sich die Wirkung der Dachse auf die Population von Mäusen als beträchtlich einstufen. Aus meiner Sicht gibt es ethisch, biologisch und juristisch keinen Grund für die Dachsjagd. Ein Jäger beantwortete mir die Frage, wieso noch auf Dachse gejagt würden, nach Austausch aller Argumente mit: "Tradition".